„Was habt ihr denn mit der schwul-lesbischen Community zu tun?“

Diese Frage haben wir mehr als einmal gehört, unter anderem wurde sie im Live-Interview von Queer-Media im Offenen Kanal Berlin gestellt. Warum eigentlich? Haben Deutsche Bank, Commerzbank, FDP, CDU, SPD, ein Möbelhaus, ein Kloster, der ADAC, die BVG mit der schwulen Community zu tun? Bei Banken und Möbelhäusern, weil sie eine zahlungskräftige Zielgruppe darstellt? Weil sie Wähler sind und sich zu den Quoten-Schwulen der Parteien addieren möchten? Weil auch Lesben und Schwule Autos fahren und nicht nur der ADAC ne Panne hat? Weil die BVG auch Lesben und Schwule befördert, wenn sie denn mal nach irgend einem Fahrplan fährt? OK, Kloster geht klar. Die Pfotenkrieger als Queerdenker. Der Frage wäre zu entnehmen, dass Tierschutz ein Hetero-Thema ist. Nein? Also, was soll diese diskriminierende Frage?

Lieblingsantwort: „Mein Beagle ist ne Transe und trägt sein Fell linksrum!“ Diese etwas süffisante Einleitung konnte ich mir nicht verkneifen, sonst war es bunt, schrill, schräg, schrill, laut, lustig, kuschlig und sehr spaßig, selbst das Wetter spielte mit und änderte das Outfit im Minutentakt. Machte aber nix, die vom Veranstalter zu fairen Bedingungen zur Verfügung gestellten Zelte hielten, was sie versprachen: trocken und mit wenig Föhn. Wir kamen mit keinerlei Erwartungen, mit der Sorge, dass unser Team zu klein sei, dass unser Stand kahl, das Angebot klein und so das Interesse gering seien könnte.

Weit gefehlt: Pfotenkrieger-Flyer und -Aufkleber, Infomaterial zum Thema Würmer, Futterproben, Kunst der Berliner Malerin Monika Alerdics und handgemachter Modeschmuck gegen Spende, eine Unterschriftenliste gegen Welpenverkauf unauthorisierter Händler, ein Kinderquiz, eine Therapiehündin, die liebevoll unsere Besucher im Rollstuhl betreute, kurz, viel Interessantes und Anregendes für zahllose Gespräche. Ach? Man kann auch bedenkenlos Tiere aus dem Ausland adoptieren? Die landen dann nicht in deutschen Tierheimen, wenn die Vermittlung korrekt ist? Was? Eine große Tierschutzdemo in Berlin? Ja? Toll, da sind wir auf jeden Fall dabei. Das Interesse war enorm, besonders der WEEAC hat großen Eindruck hinterlassen. Wir konnten viele Freundschaften knüpfen, nein, nicht bei Facebook, mit echten Menschen, Organisationen und Vereinen. Wir wurden zum Sekt eingeladen, bekamen Unterstützung und tatkräftige Hilfe bei unserem ersten Stand, hatten Besucher, die mehrmals kamen, haben in der Summe mehr erreicht, als erträumt, kurz, eine durchweg positive Bilanz im Ergebnis.

Eine Überraschung war auch der unermüdliche Einsatz des Teams, alle waren da, mit Kind, Hund, Partner, Kuchen, mache mehrmals, alle länger, als eingeteilt, bis zu vier Pfotenkrieger standen Rede und Antwort. Interessante Diskussionen entwickelten sich, wir konnten lehren und haben viel gelernt. Was wir vor allem gelernt haben: Facebook und andere Online-Communities sind nett, um unter Gleichgesinnten Informationen auszutauschen und eine Vernetzung zu betreiben. Aber um Uninformierte und bisher Desinteressierte für Themen rund um den Tierschutz zu sensibilisieren und für den WEEAC zu begeistern. Wer etwas erreichen möchte, muss an die ‚Front‘. Aber auch hier gilt: um nachhaltige Ergebnisse zu erzielen, müssen alle Gruppen und Gruppierungen einbezogen werden, es gilt, das größte gemeinsame Vielfache zu finden. Wer einen kleinen Einblick in die rund um gelungene Veranstaltung nehmen möchte, der schaue bitte hier – aber Achtung! Erstling!

Viel Spaß bei ‚Pfotenkrieger goes queer…!‘https://www.pfotenkrieger.de/index.php?id=169

© Michael Marx – 06/2011

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