Kleine Nachtmusik für Freunde bitterer Untertöne: Wenn Hunderte von ehrenamtlichen Arbeitsstunden vieler engagierter Menschen, eine Vorbereitung über Monate und das Wissen, dass die Zeit reif ist für ein öffentliches Eintreten gegen Tierquälerei, dennoch aber wenig mehr als nichts passiert, müssen Fragen gestellt werden. Die Fragen liegen auf der Hand, die Antworten werden für viele unangenehm sein. Auch für die Organisatoren.

Die Idee, eine weltweite Veranstaltung am gleichen Tag gegen Tierquälerei ins Leben zu rufen, ist gut. Die Idee zu übernehmen von einer renommierten Organisation – in diesem Falle FARM aus den USA – auch, Räder müssen nicht ständig neu erfunden werden. Dann allerdings sollte man dazu stehen, von dort, wo man ist, den Gedanken verbreiten und die nötigen Hilfsmittel bereit stellen. Wie bei FARM eben. Dort wird angeregt, es gibt Material und Beispiele, wie es geht: www.wfad.org ist eine Blaupause für den so genannten WEEAC. So weit, so gut.

Was der WEEAC aber wollte und will, das ist die volle Kontrolle. In jedem Land. Mit einem Team, dass in keiner Phase auch nur einen Hauch von Professionalität vorweisen konnte, kein Kompetenzteam, keine Basis, keine Organisation, nichts, auf dass sich irgend etwas aufbauen ließe. Stattdessen wurde diktatorisch darüber gewacht, dass ein Grüppchen von vier recht unbeschriebenen Blättern in allen teilnehmenden Ländern unbedingt und absolut das Sagen hat – ohne eine nennenswerte Eigenleistung zu erbringen. Alles nach dem Motto: Ihr macht die Arbeit, bezahlt alles, was ihr braucht, selbst, aber bitte alles in unserem Namen, mit unserem Namen und zu unserem Ruhme. Das allerdings unterscheidet sich deutlich von FARM und dem Welttag der Farmtiere.

Wer sich dort im ‚Action Center‘ registriert, kann seine Aktionen posten und bewerben, erhält Zugriff auf umfangreiches Werbematerial und kann auf das eigene ‚Action Center‘ verlinken. Darüber hinaus gibt es eine Ideensammlung von allem, was man in dem Zusammenhang an Aktionen durchführen kann – ein Beispiel, wie es sein sollte.

WEEAC hingegen kam nicht gut an bei den nationalen Vereinen und Organisationen: unbekannte Akteure ohne erwähnenswerten Hintergrund, keine angemeldete und fassbare Organisation mit Anschrift, Sitz und Referenzen, eine Satzung, deren Offenlegung erst erzwungen werden musste und die dann ganz schnell wieder zurück gezogen wurde, Ablehnung eines Konzepts mit Sponsoring, um der Veranstaltung eine angemessene Aufmerksamkeit zu verschaffen, Löschung von Threads bei Facebook, Verteufelung, Diffamierung und Ausschluss von Kritikern, Gründung von mehr Gruppen – teils geheim, teils öffentlich, nie aber für jeden wirklich offen, Seiten und Veranstaltungsansagen, als letztlich Teilnehmer vor Ort waren, haben nur für Verunsicherung gesorgt – und sonst für nichts.

In Berlin wurde bereits im Januar die Veranstaltung angemeldet, eine Genehmigung für den Durchmarsch durch das Regierungsviertel eingeholt. Das war alles an Aktivität für Deutschland. Keine Genehmigung für Infostände, keine Genehmigung für die Passage am Innenministerium vorbei, keine Erlaubnis für Verkaufsstände, eine Route, die durch ein am Wochenende leeres Regierungsviertel starten sollte, Mahnwachen vor der falschen Uni, vor einer Botschaft in einer stets nahezu unbesuchten Sackgasse, ein fehlendes Sicherheitskonzept, keine Ortskenntnisse, kein Besuch des für Deutschland ‚Verantwortlichen‘  in Berlin, sondern in Wien, eine strikte Ablehnung jeder Art von Showeinlage zur Gewinnung eines aufgeschlossenen Publikums aus Neugierigen, kein Konzept, nichts war letztlich vorhanden.

Alle Helfer hatten im Vertrauen auf eine neue, einzigartige Veranstaltung mit offenem Konzept alles gegeben – auch Geld. Es war Geld, was definitiv dem Tierschutz entzogen wurde, kein Werbe- oder Sponsorgeld, wie von uns gefordert. Es war Geld, das für Tierschutzprojekte vorgesehen war und dann doch benötigt wurde, um Löcher zu stopfen. Es war Geld, was verbrannt wurde, weil die Zeichen nicht erkannt wurden, dass in einer lässigen Demometropole wie Berlin mit langsamem Wachstum nichts zu reißen ist. Das ist das Bild, was ein unbedeutender Haufen Menschlein, die sich den Namen ‚WEEAC‘ gaben, hinterlassen haben.

Der Name ‚WEEAC‘ wurde nie angenommen, keiner konnte ihn aussprechen, niemand wusste letztlich etwas mit dieser ‚Marke‘ anzufangen. Wenn dann eine Dawn Groth aus Illinois großkotzig verkündet, sie würde den guten Menschen in Berlin den ‚WEEAC‘ zurück geben, wenn nur die bösen Pfotenkrieger, der böse Michael Marx, von diesem Begriff abließe, macht sich die Dame aus dem Nirgendwo nur eines:lächerlich.

Es ist nicht der Name, es ist der Gedanke, in jedem Land zum gleichen Termin nicht eine Veranstaltung gegen Tierquälerei, sondern eine Veranstaltung für Tierechte, für Tierschutz, für ein gedeihliches Zusammenleben, letztlich also für unsere Umwelt und damit FÜR UNS zu etablieren. Ein Festival der Ideen, der Präsentation von Alternativen, dem Aufzeigen von Wegen aus der Krise, dem Feiern positiver Gedankens, die Freude machen dürfen bei ihrer Umsetzung, das ist es, was – zumindest in Deutschland – gewollt wird. Kein Trauerzug mit Mahnwache erweckt Interesse und den Wunsch, mitzumachen, aber gute Laune, positive Beispiele und in Unterhaltung eingebettete Information ohne streng erhobenen Zeigefinger laden ein zum Nachdenken. Es geht hier nicht darum, eine Veranstaltung für Eingeweihte abzuliefern, sondern diejenigen abzuholen, die sich noch keine Gedanken gemacht haben. DAS ist das Konzept.In Berlin 2011 konnten wir zeigen, dass es im Ansatz geht. Die – leider – noch zu große Bühne, das spannende ‚Grunz-Mobil‘ der Albert-Schweitzer-Stiftung, der umlagerte Infostand der Ärzte gegen Tierversuche, die Kulisse vor dem Brandenburger Tor, der leer gekaufte Imbiss-Stand von Veganz, alles zeigte, dass der Weg richtig ist. Mehr Show, mehr Leute, mehr Aufmerksamkeit. Nur so geht es. Dazu ein Namen, der positiv ausdrückt, um was es geht, kein Kunstwort, für dessen ‚Schutz‘ mehr getan wird, als für das Anliegen selbst. So etwas brauchen wir, braucht der Tierschutz, der Kampf um Tierrechte, brauchen die Tiere selbst nicht.Ich danke allen Helferinnen und Helfern, allen Spendern, unserem kurzfristig eingesprungen Sponsor, allen unterstützenden Vereinen, den Rednern, den etwa 300 Teilnehmern, die trotz aller Gerüchte und Verunsicherungen dem Aufruf gefolgt waren, den geduldigen Vierbeinern, kurz allen, die dafür gesorgt haben, das Berlin 2011 überhaupt statt finden konnte und alle zusammen Mut machten, das Projekt eigenverantwortlich zum Erfolg zu führen. Es war kein Erfolg, letztlich aber auch kein Misserfolg, die Anwesenden haben viele Eindrücke mitgenommen und die Veranstaltung als das verstanden, was sie war: ein Startsignal.Im kommenden Jahr wird es wieder eine Veranstaltung geben in Berlin, um einiges größer, bunter, fröhlicher, lauter – und unter einem Slogan, der verstanden wird. Es wird eine namenlose Organisation sein, aufgeteilt in Kompetenzteams, unterstützt von vielen namhaften Vereinen und Organisationen, die miteinander einen Event auf die Beine stellen werden, der nicht zu übersehen sein wird: Zeichen setzen, ohne selbst das Zeichen sein zu wollen…

Kleine Nachtmusik mit ganz, ganz großem Ensemble für die Rechte der Mitgeschöpfe.

© Michael Marx – 10/2011

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