Wir sammeln Erfahrungen. Oft noch vor dem Weckerklingeln. Ich kann da nur – dank ständigem Austausch – für uns Pfotenkrieger sprechen, wir aber tun das. Wir reiben uns staunend die Augen und verstehen nicht. Da wird eine wundervolle Idee geboren, für die die Zeit überfällig ist: weltweit am gleichen Tag aktiv Flagge zu zeigen gegen Tierquälerei in jeder Form…

Unsere Befürchtung war, überrollt zu werden mit Anfragen, wie bei Planung, Vorbereitung und Durchführung geholfen werden kann. Überrollt von Angeboten, getragen von der Vision, an etwas mitzutun, das zu einer ganz großen Sache werden kann, besser, werden muss.

Unsere Angst war unbegründet. Das macht uns aber nicht glücklich, sie wurde ersetzt durch eine andere: was, wenn Hunderte von Stunden Engagement für etwas eingesetzt werden, was letztlich die übliche Handvoll der üblichen Verdächtigen auf die Straße bringt? Ungehört und ignoriert wie immer? Ist diese Zurückhaltung getragen von der Angst, kein Billigschnitzel mehr garantiert zu bekommen? Weil nicht nur Mann jeden Tag Fleisch auf dem Teller braucht? Weil der ‚Goldbroiler‘ knusperlecker bleiben muss und die EU schon dafür Sorge trägt, dass das ‚Rohmaterial‘ dank der bürokratischen Erfindung der artgerechten Käfighaltung schon mit einem Lächeln um den Schnabel ganz natürlich in den liebevollen Armen seiner Schlächter sanft entschläft? Weil jeder Magen ein Recht auf Fischstäbchen hat, die den Fangprozess ohnehin nicht merken, da sie ja tiefgefroren durch die Weltmeere schwimmen? Weil Pope Ratzinger der Unbeugsame schon wusste, was er tat, als er Pope Woitylas Verleihung einer Seele an Tiere mal eben kassierte und ihn als Entschädigung für diesen Wahnsinn selig sprechen ließ, was weder Woityla, noch Millionen Tieren etwas nützt, allenfalls den Kontoständen von Opus Dei und anderen unter dem Kreuz von Gottes Bodenpersonals Kriechenden? Weil man Delfine schließlich nur im gefliesten Becken unter natürlichen Bedingungen mit Chips und Energy Drink beobachten kann? Weil sonst das Rohmaterial für lukrative Geschäftchen ausgehen könnte? Oder gar, weil der Kampf gegen Tempo 100 auf Deutschen Autobahnen relevant ist oder der gegen… gegen was eigentlich?

Herrschaften, es geht hier nicht darum, plötzlich allen Menschen eine vegane Lebensweise aufzuzwingen und alle in Sack und Asche zu hüllen. Es geht darum, bei Tierquälerei nicht weg zu sehen und zu zeigen, dass das Quälen von Tieren kein Kavaliersdelikt. Dass Tiere sehr wohl eine Seele haben und schützenswert sind. Dass das lebende Häuten, Frittieren, Essen von Lebewesen eines denkenden Menschen unwürdig ist. Dass Hunde in Ketten oder als Gebärmaschinen in einer zivilisierten Welt genau so wenig einen Platz haben wie Menschen, die Kapital daraus schlagen. Dass endlich der Mensch nicht als Fleisch-, sondern als Allesfresser, der er nun mal ist, begriffen wird, der zwar alles ‚fressen‘ kann, es aber nicht zwangsläufig muss. Dass es Irrwitz ist, Tiere leiden zu lassen, um zu erforschen, was dem Menschen eventuell helfen könnte, würden sich die Ergebnisse dieser Tierquälerei 1:1 auf den Menschen übertragen lassen. Nein, keine Angst, IHR müsst nicht in engen Käfigen mit Elektroden im Kopf und Schraubverschlüssen im Körper fremd leiden.

Es geht darum, sichtbar zu werden. Es geht darum, den Verantwortlichen zu zeigen, dass sie unter Beobachtung stehen, dass es immer mehr Menschen gibt, die bereit sind, für den Schutz derjenigen einzutreten, die schutzbedürftig sind. Dass das Warten auf Robbenknuddeln, Walstreicheln und Hundekuscheln von Stellvertreterpromis nicht genug ist, um einen Paradigmenwechsel einzuläuten. Für den Anfang gut und richtig, aber es ist an der Zeit, von diesem Engagement zurück zu geben. Viel wichtiger: etwas den von uns benutzten Tieren etwas zurück zu geben.

Wir brauchen Kontakte zu Künstlern, Sponsoren, Medien, unterstützenden Vereinen und Organisationen. Wir brauchen Promis und Geld. Wir brauchen Aufmerksamkeit. Wir brauchen das alles aber nicht, wenn es der köchelnden Volksseele wie so oft genug ist, die Aktivitäten anderer wohlwollend zur Kenntnis zu nehmen. Dann packe ich mir lieber meine Rübenrüssel ins Auto und treffe mich mit den Pfotenkriegern zum Picknick am See.

Alleine in Berlin müssten 100.000 Hundebesitzer am Start sein, alles doch eigener Aussage nach Tierfreunde. Dazu die Vermittler, Vegetarier, Veganer, die Grünen, Christen, mit Umland müssten locker eine halbe Million…

Sind das alle keine Tierschützer? Anders, ist all denen egal, dass Tiere gequält werden? Veganern? Na ja, die reden meist nicht mit Vegetariern, hassen oft Fleischfresser, den Christen (kein Mensch weiß mehr wirklich, was DIE wollen) ist vieles nicht grün, Gründe gibt es immer, das eigene Fernbleiben zu begründen. Da war doch noch was. Ach ja. Die Tiere…

Leute, es geht hier ein Stück weit um Glaubwürdigkeit. EURE Glaubwürdigkeit. Es ist die Chance, Einigkeit gegen Tierquälerei zu zeigen. Wenn weiter jedes Grüppchen in erster Linie bemüht ist, die eigene Lebensweise als einzig akzeptable hinzustellen, wird das millionenfache Leid nie ein Ende haben. Das ständige Polieren des eigenen Heiligenscheins ist Onanie und dem entsprechend – oh Wunder – unfruchtbar. Und tödlich für Millionen Tiere.

Ein gutes Argumentation des Rumänische Marionettenkabinetts für das Massentöten von Straßenhunden war doch auch die Tatsache, dass mal gerade 150 Unentwegte bereit waren, sich für deren Schicksal stark zu machen. Wie gesagt: 100.000 Hundebesitzer in Berlin (welcher BEZIRK?) vs. 150 Teilnehmern aus dem Bundesgebiet plus Schweiz plus Rumänien. Bravo. Wann kommt das Weckerklingeln?

© Michael Marx – 05/2011

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